Archiv der Kategorie: e-Commerce

Staples launcht Couch Commerce Online-Shop für Tablets

Der zweitgrößte Online-Shop Amerikas launcht nächste Woche unter http://t.staples.com eine Website nur für Tablet Besucher. Kunden die Staples.com besuchen und per Tablet auf die Seite zugreifen werden automatisch auf die für Couch Commerce optimierte Seite weitergeleitet.

Staples ist damit der erste große Online-Shop den ich kenne, der durch eine individuelle Lösung auf den Trend in Richtung Tablet Commerce reagiert. Erst kürzlich hatte Adobe eine kostenlose Studie veröffentlicht die aufzeigt wie groß das Umsatzpotential mit Tablet Besuchern ist und welche Wichtigkeit diese Käufergruppe aufgrund der explosionsartigen Verbreitung in diesem Jahr annehmen wird.

Adobe’s analysis of 16.2 billion visits to retail websites shows that consumers using tablets are a distinct and lucrative customer segment, spending more per purchase than other visitors. With the rapid growth of this powerful segment, retailers can no longer afford a “one-size-fits-all” approach to mobile optimization.

Da die Erstellung eines für Tablets optimierten Shops von Seiten des Aufwands und der Kosten durchaus mit einer Neuentwicklung eines Online-Shops vergleichbar ist, werden sich Shopbetreiber gut überlegen müssen ob der persönliche Anteil der Besucher mit Tablets das Investment bereits rechtfertigt. Darüber hinaus ist es nicht lange her, dass Smartphones als der große Mobile-Commerce-Trend angepriesen wurden und speziell hierfür Apps und Web-Apps entwickelt wurden die sich erst beweisen müssen.

Im CouchCommerce Blog habe ich eine Liste von Artikeln und Studien zusammengestellt die sich mit dem Thema Tablet Commerce / Couch Commerce befassen. Mehr Informationen zu Staples Tablet Shop gibt es bei Internet Retailer.

Was ist eigentlich Couch Commerce?

Heute steht Couch Commerce für das online Einkaufen per Tablet (insbesondere iPad) aus einer entspannten Umgebung heraus. Vereinzelt ist auch generell online Einkaufen via mobiler Hardware wie z.B. Smartphones gemeint.

Im Frühling 2011, als ich mich das erste mal um den Begriff Couch Commerce bemüht hatte, schien das Wort noch keine besondere Bedeutung zu haben. Meine Herleitung zu dem Begriff kam über CouchDB, einem interessanten Datenbankmanagementsystem, welches scheinbar noch nicht im e-commerce eingesetzt wurde. Da mir der Name sehr gut gefiel entschied ich mich die Domains couchcommerce.com und .org für ein potentiell späteres Projekt zu kaufen.

Jetzt, nur ein halbes Jahr später, finden sich bereits hunderte Artikel und einige Studien rund um den Begriff online und es scheint sich zu einem Buzzword zu entwickeln. Die frühste Erklärung des Begriffes, die ich finden konnte, kam tatsächlich von dem ConventionCamp 2010 in Hannover. Im September 2011 verkündet eBay dann, dass es sich auf den Ansturm von Käufern mit Tablets vorbereitet und dieses Jahr erstmals auch Händler einen merkbaren Prozentsatz an Besuchern dieser Kategorie vorfinden werden. Basierend auf einer Ipsos Studie berichtete Paypal dann ebenfalls über den Impact von Couch Commerce in diesem Weihnachtsgeschäft.

Als dann die tatsächlichen Zahlen der größten online Händler rund um den Black Friday 2011 veröffentlicht wurden, bestätigten diese die vorherigen Vermutungen. Die Anzahl der Besucher mit Tablets bzw. dem iPad explodierte an Feiertagen, da die Besitzer vermehrt zu dieser Art des Browsens griffen um die Online-Shops zu besuchen. Techcrunch hat daraufhin eine Studie von Compuware aufgegriffen, die untersucht hat, wie weit der Grad der Optimierung von Online-Shops für Tablets vorangeschritten ist. Es zeigte sich, dass zwar einige Apps bereitgestellt wurden, jedoch keiner der großen Händler eine Optimierung für den Browser der Tablets / iPad vorgenommen hat. Die großen Marktplätze wie Amazon und eBay können sicher auf eine breite Installationsbasis von Apps zurückgreifen, aber wer hat schon für jeden Online-Shop den man besucht eine App installiert oder ist bereit dies zu tun? Wie soll so ein Preisvergleich oder spontanes Auffinden von neuen Produkten funktionieren?

Der Artikel sorgte für eine spannende Diskussion bei der auf der einen Seite argumentiert wird, dass man mit Tablet Browsern die normalen Online-Shops besuchen soll und es für diese keine Optimierung braucht. Auf der anderen Seite, im Bezug auf Nutzbarkeit, Usability und User Experience, wird dafür plädiert, dass man sehr wohl speziell für den Couch Commerce optimieren muss. Interessant in dem Zusammenhang ist der aktuelle iPad usability Report von Nielsen PDF. Dieser zeigt auf 134 Seiten wie optimierte Usability für das iPad auszusehen hat.

Ich denke, dass der Wechsel von der Maus hin zum Finger und somit zur intuitiven Bedienung gerade erst begonnen hat und sicher auch noch Einfluss auf die Art haben wird, wie wir Computer nutzen. Apple hat beispielsweise gerade erst in sein neustes iOS Lion die Logik des „natural scrolling“ aus dem iPad übernommen. Es scheint also eine Art Lernprozess begonnen zu haben, der unsere angelernte PC Bedienung verbessert. Wenn die Prognosen stimmen, so werden Tablets und Smartphones ab 2011 die Verkaufszahlen von Laptops und Desktop PCs überholen. Die Frage, welche Hardware genutzt wird um online einzukaufen, wird dann eine zentrale Rolle für den e-Commerce spielen. Auch ist nicht zu unterschätzen, dass neue Zielgruppen per Tablet erreicht werden, die eher erlebnisgetrieben bzw. durch einen virtuellen Einkaufsbummel inspiriert Produktwelten entdecken (Utilitarian and Experiential Buyers sind hier zu unterscheiden). Das aktuell für Männer optimierte e-Commerce kann da nur selten die Bedürfnisse dieser Zielgruppe bedienen.

Da ich weiß wie groß der Aufwand ist und mit welchen Kosten es verbunden ist als Online-Händler mit der Entwicklung mitzuhalten und für alle bald unter Couch Commerce fallende Endgeräte optimierte Seiten auszuliefern (7-10 Zoll, Android, Apple etc.), bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Lösung für Online-Händler in diesem Bereich Sinn macht. Vor kurzem habe ich daher die Entwicklung des Projektes Couch Commerce mit einem kleinen Team angestoßen. Ziel ist es einen von Shopbetreibern komplett selbständig und möglichst ohne technischen Aufwand einzurichtenden Service zu schaffen, der schnell und einfach das Sortiment „Couch Commerce optimiert“ an Seitenbesucher ausliefert und so zu einem sehr guten und vor allem entspannten Einkaufserlebnis führt. Die Anzahl der Vorregistrierungen für die erste Beta Version, innerhalb der wenigen Tage die unsere Launchrock Seite jetzt online ist, motiviert das Team enorm. Wer Interesse hat sich zu dem Thema auszutauschen oder sich vielleicht sogar mit einzubringen, kann sich gerne bei mir melden. Auch freue ich mich über Meinungen und Einschätzungen.

Meine neue Herausforderung im digitalen Zeitalter: Das Buch erfindet sich neu

Immer dann wenn sich die Art ändert wie Menschen Informationen konsumieren wird es spannend. Das erste Mal passierte das mit der Erfindung des Buchdruckes durch Gutenberg im 15. Jahrhundert, wodurch erstmalig ein Medium geschaffen wurde, um Meinungen und Wissen schnell in der Masse zu verbreiten. Besonders die Kirche stand dieser Bewegung damals kritisch gegenüber, so konnte sie doch unmöglich kontrollieren was verbreitet wurde. Auch sah man einen Menschen, der in kurzer Zeit hunderte von Büchern drucken konnte, um sein geschriebenes zu verbreiten, generell als große Gefahr. Er könnte damit immerhin schlimme Gedanken bei den Lesern fördern und Ansichten verändern. Sehr schwer vorzustellen aus heutiger Sicht!

Über diese anfänglichen Startschwierigkeiten ist man jedoch hinweggekommen und während der Industrialisierung wurde die Verbreitung des gedruckten Wortes perfektioniert und es haben sich Strukturen und Unternehmen gebildet, die den Umgang damit gestalten. Man könnte fast meinen es war Ruhe eingekehrt in die Art wie wir Informationen zu uns nehmen und beziehen.

Was dann jedoch in seiner Ausbreitungsgeschwindigkeit alle überraschte war das
digitale Zeitalter und mit ihm das Internet. Entgegen erster Annahmen (IBM CEO Watson 1943: „Ich glaube, dass es auf der Welt einen Bedarf von vielleicht fünf Computern geben wird.“) war der weltweite Bedarf an Computern enorm und schon bald konnten Millionen Menschen via Computer über das Internet publizieren und Inhalte beziehen. Die Digitalisierung brachte die Möglichkeit alles, überall und für jeden, verfügbar zu machen. Neben dem Journalismus war es vor allem die Musikindustrie, die diese disruptive Kraft zuerst zu spüren bekam.

Heute sind es Unternehmen wie Google und Amazon, die mit ihren Visionen Vorreiter sind auf dem Gebiet der Digitalisierung und Verbreitung von Inhalten. Google will die Informationen der Welt verwalten und allen zugänglich machen, am liebsten auch jene, die bisher nur in gedruckter Form vorliegen. Amazon hat sich zum Ziel gesetzt innerhalb von 60 Sekunden jedes Buch in digitaler Form direkt an den Leser ausliefern zu können und nimmt dafür, wie auch Apple, alle Komponenten von der Software bis zur Hardware in die eigene Hand.

Hier schließt sich der Kreis und wir sind an einem Punkt, an dem wir die digitale Welt des Internets und das Medium Buch verbinden und die Informationen und Inhalte so einfach wie möglich für so viele Menschen wie möglich zugänglich machen. Die Ebook Revolution hat gerade erst begonnen!

Ich freue mich in diesem spannenden Umfeld ab heute als Leiter Produktmanagement digital bei Libri innerhalb der Maxingvest Gruppe mitzuwirken.

Google Shopping Qualitätsoffensive startet im September

Google hat gestern angekündigt, dass sie ab dem 22. September die Anforderungen an Produktfeeds deutlich erhöhen werden. Die Aktion dient der Verbesserung der Produktsuche und der Qualität der Ergebnisse.

Auf der Next11 durfte ich Gero Graf (verantwortlich für commerce bei Google in EU) kennenlernen, der in dem von mir moderierten commerce Track gesprochen hat. In seinem Vortrag gab er einen Einblick in die Ziele von Google und betonte, dass besonders „Inventory in the Cloud“ ein großes Ziel sei. Damit soll es ermöglicht werden die Verfügbarkeit von Produkten in der Nähe von potentiellen Kunden via Google anzuzeigen. Also hoch relevante Informationen bereitstellen zu können. eBay hat ebenfalls Maßnahmen in Gang gesetzt, um diesem Ziel näher zu kommen.

Im September wird Google für die ehemals Base genannte Produktschnittstelle, die sie jetzt unter dem Namen Google Merchant Center geführt wird, die neuen strikten Richtlinien ausrollen. Dazu gehören:

  • Verfügbarkeitsangabe ist Pflicht
  • Einordnung in Google Product Category ist Pflicht
  • Mindestens ein Produktbild ist Pflicht und bis zu 10 möglich
  • Im Fall von Kleidung sind Farbe, Größe, sowie Geschlecht und Altersgruppe Pflicht
  • Unter dem Oberpunkt „Data Freshness“ verbirgt sich eine Überprüfung der Richtigkeit und Aktualität der übermittelten Daten
Da ich selber auch viel mit diesen Produktfeeds zu tun habe, weiß ich, dass es vielen Anbietern in Amerika, England, Deutschland, Japan und Frankreich einige Arbeitsreiche Nächte bereiten wird den Standards nachzukommen. Im Ergebnis wird Googles Shopping Suche jedoch sicher an Qualität zunehmen und vielleicht einen weiteren Schritt in Richtung eines standardisierten Formates zum Austausch von Produktdaten zwischen Shops und Shopsystemen gehen. Eventuell sollten die Shopsysteme beim Thema Vernetzung einfach auf diesem Standard aufbauen und neben dem Export auch den Import von Drittprodukten unterstützen.

Die nächste Generation der e-Commerce Entwicklung

Letzte Woche habe ich einen Denkanstoß gegeben und die Frage in den Raum gestellt, ob Shopsysteme oder eher Frameworks in Zukunft Innovationen voran treiben im e-Commerce. Außerdem habe ich ein paar Beispiele für neue Datenbanktechnologien genannt, die heiße Kandidaten auf den Einsatz in kommenden e-Commerce Lösungen sind.

Wie ich erfahren habe, gibt es heute bereits die Technologie, die wohl die nächste Generation der Internetentwicklung antreiben wird. Da scheinbar jeder Browser JavaScript unterstützt und die Großen wie Firefox, IE und Opera von den Innovationen von Google Chrome partizipieren, die in dieser Absicht open source veröffentlicht wurden, scheint JavaScript die größten Chancen zu haben sich Client-Seitig entgültig  durchzusetzen. Bevor es ein JavaScript Konkurrent in alle Browser schafft, sollte einige Zeit vergehen. Auch Server-Seitig kommt JavaScript mittlerweile vereinzelt zum Einsatz, ist dort aber natürlich in einer komplette anderen Wettbewerbssituation.

Beeindruckt hat mich in diesem Kontext Cloud9, ein web-basierter IDE (integrated development environment), der es Entwicklern ermöglicht im Browser zu entwickeln und zu debuggen. Entwicklungssoftware entfällt somit völlig und mit einem minimalen Stack von z.B. MongoDB oder CouchDB und Node.js kann eine vollwertige Alternative zu LAMP (Linux, Apache, MySQL und PHP) entstehen, wie es heute der Standard im Web ist.

Wenn ich mir jetzt ein Entwicklungsteam für ein LAMP Projekt (wie Magento, OXID, Shopware oder Presta) vorstelle und dieses mit meinem vorangestellten Beispiel von JavaScript vergleiche fällt auf, dass ich theoretisch nur eine JavaScript Kompetenzgruppe in der Entwicklung brauche. Der bisher bekannte Unterschied zwischen Front End, Back End und Infrastruktur entfällt.

Für Agenturen würde das bedeuten, dass sie ihre Teams viel einfacherer auslasten könnten und auch das Anlernen aufgrund des einfacheren Austausches von Wissen viel schneller vorangehen müsste. Jetzige Front End Agenturen, die wohl die meisten JavaScript Entwickler beschäftigen dürften, könnten ihren Tätigkeitsbereich leicht erweitern und ganze Lösungen anbieten.

Eine kleine Einführung in die e-Commerce Entwicklung mit MongoDB hat Kyle Banker bereits im April 2010 in seinem Blog gegeben. Dank der Weiterentwicklung im letzten Jahr, sollte der Einstieg noch leichter geworden sein. Er nimmt dabei übrigens auch Bezug auf das Schema von Magento.

Soweit bekannt, würde ich mich über Beispiele von e-Commerce Entwicklungen auf Basis von MongoDB, CouchDB und Node.JS freuen!

Im Oktober findet übrigens in Berlin eine Konferenz zu dem Thema statt: JSconf.eu