Archiv der Kategorie: Magento

Die nächste Generation der e-Commerce Entwicklung

Letzte Woche habe ich einen Denkanstoß gegeben und die Frage in den Raum gestellt, ob Shopsysteme oder eher Frameworks in Zukunft Innovationen voran treiben im e-Commerce. Außerdem habe ich ein paar Beispiele für neue Datenbanktechnologien genannt, die heiße Kandidaten auf den Einsatz in kommenden e-Commerce Lösungen sind.

Wie ich erfahren habe, gibt es heute bereits die Technologie, die wohl die nächste Generation der Internetentwicklung antreiben wird. Da scheinbar jeder Browser JavaScript unterstützt und die Großen wie Firefox, IE und Opera von den Innovationen von Google Chrome partizipieren, die in dieser Absicht open source veröffentlicht wurden, scheint JavaScript die größten Chancen zu haben sich Client-Seitig entgültig  durchzusetzen. Bevor es ein JavaScript Konkurrent in alle Browser schafft, sollte einige Zeit vergehen. Auch Server-Seitig kommt JavaScript mittlerweile vereinzelt zum Einsatz, ist dort aber natürlich in einer komplette anderen Wettbewerbssituation.

Beeindruckt hat mich in diesem Kontext Cloud9, ein web-basierter IDE (integrated development environment), der es Entwicklern ermöglicht im Browser zu entwickeln und zu debuggen. Entwicklungssoftware entfällt somit völlig und mit einem minimalen Stack von z.B. MongoDB oder CouchDB und Node.js kann eine vollwertige Alternative zu LAMP (Linux, Apache, MySQL und PHP) entstehen, wie es heute der Standard im Web ist.

Wenn ich mir jetzt ein Entwicklungsteam für ein LAMP Projekt (wie Magento, OXID, Shopware oder Presta) vorstelle und dieses mit meinem vorangestellten Beispiel von JavaScript vergleiche fällt auf, dass ich theoretisch nur eine JavaScript Kompetenzgruppe in der Entwicklung brauche. Der bisher bekannte Unterschied zwischen Front End, Back End und Infrastruktur entfällt.

Für Agenturen würde das bedeuten, dass sie ihre Teams viel einfacherer auslasten könnten und auch das Anlernen aufgrund des einfacheren Austausches von Wissen viel schneller vorangehen müsste. Jetzige Front End Agenturen, die wohl die meisten JavaScript Entwickler beschäftigen dürften, könnten ihren Tätigkeitsbereich leicht erweitern und ganze Lösungen anbieten.

Eine kleine Einführung in die e-Commerce Entwicklung mit MongoDB hat Kyle Banker bereits im April 2010 in seinem Blog gegeben. Dank der Weiterentwicklung im letzten Jahr, sollte der Einstieg noch leichter geworden sein. Er nimmt dabei übrigens auch Bezug auf das Schema von Magento.

Soweit bekannt, würde ich mich über Beispiele von e-Commerce Entwicklungen auf Basis von MongoDB, CouchDB und Node.JS freuen!

Im Oktober findet übrigens in Berlin eine Konferenz zu dem Thema statt: JSconf.eu

Die Post Magento Ära hat begonnen

Es ist jetzt etwas über drei Jahre her, dass der große Hype um Magento begonnen hat. Drei Jahre sind im Kreise von Softwareentwicklung und besonders im Internet bekannter weise ein langer Zeitraum. So ist es nicht verwunderlich, dass Magento mittlerweile nicht mehr durch technische oder funktionale Innovationen, sondern durch Referenzen und den Verkauf an eBay auf sich aufmerksam macht. Zeiten ändern sich und Magento hat sich jetzt als ein Dickschiff unter vielen im e-Commerce irgendwo zwischen ganz kleinen und mittel großen online Händlern eingereiht. Für die ganz großen hat es leider nicht gereicht und diese werden jetzt auch richtiger weise von anderen Playern (GSI, Intershop etc.) im eBay Netzwerk betreut.

Die Community freut sich über neue Veröffentlichungen der 1.x Editionen, die Fehler im schnell gewachsenen Code beheben. Das Kernteam von Magento selbst hingegen, ist schon längst mit Magento 2 beschäftigt, welches all das verspricht, was die 1.x dann doch nicht mehr schafft in ihrer Lebenszeit. Ein Cut, aber wie konsequent?

Da mittlerweile bekannt geworden ist, dass Magento 2 wiederum auf vergleichbare Technologie setzt und auch das EAV Datenbankmodell erneut die Antwort auf Flexibilität bei Attributen sein wird, stellt sich die Frage welches Shopsystem im e-Commerce innovative Akzente setzen wird.

Auf der Next Conference wurde dieses Jahr ein Projekt von Rewe vorgestellt. Es stellte sich in der Konzeptionsphase heraus, dass die am Markt verfügbaren Shopsysteme nicht in der Lage sind die große Anzahl an Katalogen und Individualisierbarkeit abzubilden, die von einer solchen Lösung verlangt wird. Auch die Skalierbarkeit machte Sorgen. Die Antwort war dann eine Eigenlösung, basierend auf aktuellster Web-Technologie, die man bisher vergeblich in Shopsystemen sucht. Dazu gehört neben einem HTML5 Front End besonders ein nicht relationales Datenbanksystem (NoSQL). Denn mit Hilfe einer solchen Technologie, wie sie unter MongoDB und CouchDB bekannter ist, lassen sich hoch skalierbare und besonders infrastruktur-schonende Lösungen umsetzen. Für weitere Informationen zu der Lösung empfehle ich das Video des Vortrages.

Magento, Oxid, Presta und Shopware, keine dieser Open Source Lösungen nutzt bisher NoSQL oder vergleichbare Technologien. Der Wettkampf zwischen diesen Systemen erfolgt eher im Rahmen des Marketings, anhand von Feature Listen und out-of-the-box unterstützter Geschäftsmodelle. Die Frage nach den wirklichen Innovationen im e-Commerce Umfeld bleibt also stehen. Und ich frage mich, ob Shopsysteme überhaupt die Vorreiterrolle einnehmen sollten, oder man aufgrund der schnellen Weiterentwicklung eine Ebene tiefer ansetzen sollte, bei den Frameworks, deren Komponenten und Vernetzung sich schneller anpassen lässt.

Was wird aus Magento?

Nach dem Verkauf an eBay und der Enthüllung um die auf der Strecke gebliebenen und am Aufbau von Magento beteiligten Mitarbeiter, fragen sich viele wie es mit Magento weiter geht.

Um das Stimmungsbild einzufangen hat Josef von TechDivision eine Umfrage gestartet und bittet um rege teilnahme in der Szene. Ich möchte mit diesem Beitrag auch auf seine Umfrage aufmerksam machen. Bitte teilnehmen:

Umfrage zur Magento-Übernahme durch eBay

Tradoria Checkout startet im Sommer 2011

Ich unterstütze die Tradoria Geschäftsführung als Berater bei dem Aufbau eines neuen Produktes, welches unter dem Namen Tradoria Checkout ab Sommer 2011 für Shopbetreiber angeboten werden wird.

Bei Tradoria Checkout handelt es sich um ein Checkout System, vergleichbar mit Google Checkout oder Checkout by Amazon, jedoch speziell für die Bedürfnisse von deutschen Shopbetreibern und Händlern ausgelegt. So werden 10 Zahlungsarten mit Auszahlungsgarantie (darunter auch Lastschrift und Rechnung), sowie telefonische Bestellannahme angeboten werden. Zur schnellen Einbindung in bestehende Shopsysteme werden kostenlose Module für Magento, OXID esales und XT:commerce, sowie ein Handbuch zur Integration in weitere Shopsysteme und Eigenentwicklungen angeboten.

Durch den Tradoria Checkout können online Händler von der bei bereits über 1 Mio. Bestellungen gesammelten Erfahrung profitieren und innerhalb kürzester Zeit ohne Risiko durch Forderungsausfall online verkaufen. Die bisherigen Kunden des Tradoria Marktplatzes und der über 4.800 Tradoria Mietshops können ohne erneute Anmeldung einfach unter Nutzung ihrer bestehenden Zugangsdaten per Tradoria Checkout sicher in angebundenen Shops einkaufen. Als gleichzeitig angebotene Alternative zu aktuellen Payment Service Provider Integrationen oder zum schnellen Einstieg in den online Handel stellen Checkout Systeme eine attraktive Option dar, die es in Deutschland bisher noch nicht gibt.

Magento vs. Oxid eSales: Wer zieht die Fäden im Hintergrund?

Durch die Bekanntmachung der eBay Beteiligung von 49% an Magento ist die Diskussion um die Ausrichtung und Unabhängigkeit entbrannt. Im März 2010 wurde von einem 21,5 Mio. USD Investment berichtet, welches somit aufgeklärt sein sollte. Es zeigen sich jetzt viele Stimmen sehr kritisch über die Open Source & Community Zukunft von Magento innerhalb der eBay Gruppe. Besonders Magento GO (Projektname Stratus) scheint ein wichtiger Eckpunkt für das Investment von eBay zu sein, denn die Bekanntmachung der Beteiligung wurde fast ein Jahr verzögert, um die Katze erst nach der Imagine Konferenz aus dem Sack zu lassen in derem Kontext GO angekündigt wurde.

Unabhängig davon, ob eBay Magento in 2010 und heute noch genug Luft lässt die eigene “Vision” zu verfolgen, ist durch die jetzt schon 49% Beteiligung klar, dass das Gründerteam um Roy Rubin und Yoav Kuttner mittelfristig nicht mehr in der Lage sein wird mit der selbstbestimmten Dynamik voran zu schreiten, die Magento 2008 und 2009 groß gemacht hat. Initiativen wie die engere Einbindung der Community in die Entwicklung des Kernproduktes scheinen still zu stehen und, wie auch Roman bemerkt, nicht über das Melden von Bugs hinaus zu kommen. Fragen nach einem Fork oder einer Revolution aus der Community heraus werden gestellt.

Wie steht es eigentlich finanziell um Oxid, die den Open Source Schritt erst nach Magento gegangen sind und immer etwas im Schatten von Magento stehen? Ich habe Quellen gefunden, die darauf hinweisen, dass Oxid im November 2008 von der MBG (Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg) Mittel erhalten hat, um u.a. die Open Source Strategie verfolgen zu können. Aus den Erläuterungen des Jahresabschlusses geht außerdem hervor, dass Oxid 2011 laut Prognose erstmalig profitabel das Jahr beenden möchte. Wer steckt also hinter der MBG und welcher Einfluss auf Oxid wird durch diesen Investor ausgewirkt? In der Pressemeldung wird dieses verdeutlicht:

Die Beteiligung erfolgte im Rahmen der 2007 beschlossenen Kooperation von LBBW Venture, KfW und MBG zur Förderung von innovativen Wachstumsunternehmen. Die Gesamtkooperation von LBBW Venture, KfW und MBG umfasst derzeit ein Beteiligungsvolumen von 30 Mio. €. Mit diesem Finanzierungsangebot soll sichergestellt werden, dass jungen Unternehmen in der Entwicklungs- und Markteinführungsphase in Baden-Württemberg neben einer ausreichenden Kapitalausstattung durch die intensive Betreuung und die Bündelung der sich ergänzenden Netzwerke eine optimale Unterstützung zukommt. Das Angebot zielt darauf, die Erfolgschancen von innovativen Gründungen in Baden-Württemberg zu stärken.

Meiner Meinung nach ist somit eine klare Unterstützung in der Markteinführungsphase gemeint, welche in den kommenden Jahren abgeschlossen sein sollte. Strategisch sollte Oxid daher wohl unabhängig bleiben können. Wie sich genau die Beteiligungsverhältnisse um Oxid gestalten hat sich mir jedoch noch nicht erschlossen.

Ich teile die Meinung, dass sich Magento zwischen vielen Investoren entscheiden konnte und in dieser frühen Phase daher keine Abhängigkeit in solcher Größe hätte eingehen sollen. Vermutlich wäre ein rein finanzielles Investment, wie in dem Beispiel von Oxid, die bessere Wahl gewesen, um strategisch auch weiterhin das Ruder in der Hand zu haben. Community vs. Enterprise vs. GO wird sicher  noch heftig diskutiert werden.

Visions wird zu next commerce in der SinnerSchrader Gruppe

Nach etwas mehr als zwei Monaten intensiver Arbeit ist es vollbracht, die Fortführung von Visions ist gesichert als next commerce innerhalb der SinnerSchrader Gruppe.

Kurz nach meinem Beitrag zu der Anmeldung der Insolvenz Ende November wurden wir dank der ausführlichen Berichterstattung bei Excitingcommerce (Vielen Dank Jochen!), in weiteren Blogs und Medien förmlich erdrückt von Anfragen potentieller Investoren. Dank der sehr kompetenten Unterstützung von Brinkmann & Partner konnten wir uns dann jedoch zeitnah auf ein Lösungsszenario konzentrieren, welches die Fortführung von Visions im Rahmen der jetzt durchgeführten übertragenden Sanierung sichert und die beste Perspektive ermöglicht.

Alleiniger Geschäftsführer ist ab sofort Moritz Koch, der bereits seit Gründung der next commerce 2009 diese Position bekleidet. Der Standort Hannover bleibt für das Team erhalten. Ich selber werde next commerce als Berater hinsichtlich der Direct-to-Consumer Strategie fortan zur Seite stehen und meine mittlerweile 10 Jahre Erfahrung im e-Commerce auch gerne in anderem Kontext anbieten, sowie ein neues internationales und englischsprachiges e-Commerce Blog starten.

Es freut mich sehr, dass wir mit SinnerSchrader und next commerce einen leistungsfähigen Partner gefunden haben, der unsere Vision einer extrem leistungsfähigen e-Commerce-Plattform, speziell für die Bedürfnisse von international agierenden Marken und Herstellern, weiter verfolgt.

Netresearch wird Magento’s corporate representative in Europa

Soeben erreichte die Magento Partner ein bedeutendes Rundschreiben. So wird der aktuelle Enterprise Partner Netresearch in Zukunft als Magento Basis in Europa auftreten. In dem Schreiben heißt es:

To facilitate our focused and localized strategy, we hired Thomas Fleck from Netresearch who will be Magento’s corporate representative in Europe for marketing and events coordination.

Natürlich fragen sich die aktuellen Magento Partner in diesem Fall nach den Auswirkungen auf ihr Implementationsgeschäft. Als Antwort wird in dem Schreiben genannt, dass sich Netresearch komplett aus dem Endkundengeschäft zurückziehen wird und dann Services für andere Partner erbringt, sowie die Events wie Meet Magento weiter koordiniert.

Thomas and Netresearch will discontinue to serve end clients directly as a Magento Enterprise Partner.  Netresearch will focus on Magento marketing and event initiatives in Europe as well as providing Magento professional services and enabling solution and industry partners.

Mir schein der Schritt schlüssig und ich wünsche Thomas alles Gute bei Magento. Sicher wird er jetzt mit Michel Goossens, der aktuell als Vice President and General Manager Magento EMEA der einzige Angestellte von Magento in Europa ist, die Entwicklung in Europa vorantreiben.