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Wie Amazon die App Entwicklung revolutioniert

Web Apps in Amazon AppstoreJeder Entwickler von Apps kennt das Problem: iOS, Android, Windows, BlackBerry und Firefox OS. Für jedes der Betriebssysteme und ihre Besonderheiten muss einzeln entwickelt, gewartet und upgedatet werden. Daher können sich nur die wenigsten Unternehmen Apps für alle Plattformen leisten. Oft findet sich daher auch eine stark unterschiedliche Qualität der Apps je nach OS wieder.

Seit einigen Jahren wird die Entwicklung der Web App Technologie auf Basis von HTML5 stark voran getrieben. Mittlerweile gibt es nur noch wenige Anwendungsfälle die nicht via Web App abgebildet werden können. Trotzdem besteht weiterhin die Notwenigkeit für jedes Ecosystem getrennt zu entwickeln oder sich aufwändiger Tools wie z.B. PhoneGap zu bedienen die Web Apps in native Apps umwandeln. Der hohe Aufwand für Updates, Wartung und Tests bleibt jedoch bestehen.

Diese Woche hat Amazon jetzt die absolut richtige Konsequenz aus dieser Situation gezogen und lässt ab sofort Web Apps innerhalb ihres Appstores zu. Das heißt anstelle einer typischen Android Applikation können einfach die Web Apps zum Appstore hinzugefügt werden. Dazu muss einfach nur die URL angegeben, sowie Screenshots und Icon hochgeladen werden. Völlig kostenlos erscheint so die Web App als native App im Amazon Appstore auf Millionen Kindle Fire und Android Geräten. Download & Installation erfolgen wie bei jeder anderen App.

Die positive Konsequenz ist, dass nur noch die Web App gepflegt werden muss und man automatisch auch die nativen Apps auf Android und Kinde Fire aktuell hält. Die Usability ist über alle Kanäle identisch und von gleich hoher Qualität.

Was ist mit den anderen Appstores?

Aus meiner Sicht wird Google den Play Store auch für Web Apps öffnen. Mit AngularJS haben sie einen eigenen Web App Entwicklungsstandard ins Leben gerufen, so dass hier sicher bald die Türen geöffnet werden. Das kann nur im Interesse von Google sein. Wie bei Amazon werden dann sicher Services wie in-App Kauf via JS Service verfügbar gemacht.

Apples Appstore dient als starker Walled Garden und wird sicher nicht so schnell für Web Apps geöffnet werden. Daher werden sich Entwickler weiterhin App Containern bedienen müssen, die eigentlich nichts anderes tun als einen Browser zu laden, der dann die Web App anzeigt. Diese Container kann man mittels Tools wie dem oben angesprochenen PhoneGap erzeugen. Auf lange Sicht betrachtet wird Apple jedoch auch eine bessere Antwort finden müssen.

Im Bezug auf CouchCommerce, wo wir bewusst nur mit Web App Technologie arbeiten, ist der Schritt von Amazon ein sofortiger Vorteil für alle unsere Händler. So können sie jetzt kostenlos ihre Shop Web Apps als Android und Kindle Fire App in den Amazon Appstore einstellen und über diesen Weg verbreiten.

Google One Pass vs. Apple iTunes: Die Riesen im Payment Contest

Erst vor kurzem fragte ich mich was Google eigentlich mit Google Checkout vor habe, da es um das Zahlungssystem leise geworden war. Jetzt gab Eric Schmidt in Berlin ein deutliches Signal für die Ausrichtung der Payment Dienste von Google: Gemeinsam mit einigen großen deutschen Verlagen wird das Zahlungssystem One Pass eingesetzt werden, um digitale Abonnements anzubieten. Im Gegenteil zu Apples 30% Provision werden nur 10% des Transaktionsvolumens an Google gezahlt werden müssen.

Google verdeutlich mit dem Schritt, dass sie gegen den iTunes Vertriebsweg von Apple angehen wollen und sich durch Android und Chrome OS durchaus in der Lage sehen eine attraktive Alternative aufzubauen bei der ein Zugang übergreifend auf vielen Endgeräten genutzt werden kann.

Während Apple als sicher, jedoch restriktiv bei den Nutzern wahrgenommen wird, hat sich Google als offen, aber auch unsicherer in die Erinnerung eingeprägt. Das Vertrauen der deutschen Verlage in den Service könnte Google helfen auch bei den Kunden den Durchbruch zu schaffen. Jedoch ist der vertrauliche Umgang mit Daten sicher auch mittelfristig noch ein Thema wenn die Rede von Google Services ist.

Apple zwingt Anbieter des neuen in-app Abonnementservices dazu außerhalb der Apps keine besseren Angebote zu machen, um zu verhindern, dass die 30% Provision an die Kunden weitergegeben werden und das Angebot dadurch unattraktiv wird. Aktuell kann sich Apple diese Arroganz gerade noch leisten dank des einzigartigen Vertriebskanals.

NFC (near field communication) wird von Google in der aktuellsten Version von Adroid (Gingerbread 2.3) und auch vom kommenden Apple iPhone 5 unterstützt. Das starke Engagement von beiden Playern im Bereich der Paymentsysteme kann daher als Vorbereitung für die NFC Technologie gesehen werden, welche das Smartphone zum mobilen Zahlungssystem ausbaut. Es ist dann sicher nur eine Frage der Zeit, bis auch nicht digitale Güter über diesen Weg bezahlt werden können. Jedoch wird Apple spätestens dann von der 30% Goldgrube weichen müssen.

Das Apple Social Commerce Patent

Am 9. Februar erhielt Apple ein hoch interessantes US Patent bestätigt. Es umschreibt eine Social Shopping Lösung mit der die Interaktion zwischen Nutzern eines virtuellen Shops ermöglicht und die Isolation der Besucher aufgehoben werden soll.

Äußert spannend ist, dass Apple seine physischen Stores durch innovative Verkaufsmodelle zu den Erfolgreichsten überhaupt, gemessen an Umsatz je Verkaufsfläche, gemacht hat ($4032 je Quaddratfuß vor Tiffany mit $2666). In der Beschreibung des Patens beschreibt Apple dann auch genau die Vor- und Nachteile des virtuellen Verkaufs im Vergleich zu seinen physischen Stores zusammen mit der Herausforderung:

The goals of both online shops and physical stores are generally the same–facilitating the purchase of goods and services by customers. In some cases, online shopping offers advantages over shopping in a physical store. For example, online shops are often open continuously, whereas most physical stores have set hours. Online shoppers are also able to leverage features such as search functionality while physical shoppers are not. However, one drawback of online shopping is that the experience can feel sterile and isolating. Customers in such an environment may be less likely to have positive feelings about the online shopping experience, may be less inclined to engage in the online equivalent of window shopping (e.g., will not linger in front of a display), and may ultimately spend less money than their counterparts who shop in physical stores.

Anhand der hier zu sehenden Darstellung kann man vermuten was Apple vor hat, jedoch nicht genau deuten wie diese Ideen in die Endgeräte, online Shops und iStores integriert werden. Es wird beschrieben, dass Nutzer einer Seite einfach erkennen können wo auf der Seite aktuell die meisten Besucher unterwegs sind und sich dann auch auf Warenkorbinhalte und das Kaufverhalten beziehen können. Um die Isolation aufzubrechen ist es natürlich wichtig die Interaktion der Nutzer untereinander zu steigern. Wie jedoch genau diese Kommunikation aussehen soll, kann ich der Patentbeschreibung nicht entnehmen.

In Beiträgen zu dem Thema wird darüber berichtet, dass Apple in Zeiten von Second Life ebenfalls ein 3D Einkaufserlebnis geplant hatte und sich das jetzt genehmigte Patent darauf beziehen soll. Ich halte dieses jedoch eher plattformübergreifend für relevant und erwarte in Zukunft einen großen Sprung beim Apple online Shop und den Applikationen, die auf Apple Endgeräten laufen in Richtung Social Commerce.

Sicher hat Apple durch die Integration seiner Soft- und Hardware das Potenzial diesen Bereich zu revolutionieren. Ich bin gespannt!

Google vs. Apple – Next Round e-Commerce?

Ich habe in den letzten Monaten gespannt verfolgt wie sich die einst so gegenseitig bewundernden Konzerne Apple und Google Schritt für Schritt zu Konkurrenten entwickeln. Google aus der Richtung des Werberiesen zum Softwarehersteller und jetzt sogar mit direkt an den Kunden vertriebenen Nexus One Mobiltelefon. Und auf der anderen Seite Apple aus der Richtung des Soft- und Hardwareherstellers durch Akquisitionen von eindeutig ausgerichteten Firmen (Mobilwerbung) und die Erweiterung der Produktpalette des iTune Stores, sowie die Reichweitedes iPhones, in Richtung des Werbetreibenden.

Als Eric Schmidt vor ein paar Jahren ankündigte Googles Zukunft sei “Mobile” und Apple mit dem iPhone eine Erfolgsgeschichte startete, war vorprogrammiert, dass sie aufeinander stoßen müssten. Interessanter weise ist Eric Schmidt zu diesem Zeitpunkt auch Board-Mitglied bei Apple.

Die folgende, noch recht junge, Aussage von Steve Jobs bringt den Konflikt dann auf den Punkt:

Unfortunately, as Google enters more of Apple’s core businesses, with Android and now Chrome OS, Eric’s effectiveness as an Apple board member will be significantly diminished since he will have to recuse himself from even larger portions of our meetings due to potential conflicts of interest.

Somit ist also sichergestellt, dass es in der Zukunft noch einen spannenden Konkurrenzkampf auf viele Gebieten zwischen Apple und Google geben wird!

Mich interessiert der Bereich e-Commerce in diesem Zusammenhang:

  • Was passiert wenn Apple anfängt neben virtuellen Produkten (Apps) auch auszuliefernde Artikel von Markenherstellern über den App Store zu vertreiben oder mit Händlern kooperiert?
  • Wäre Apples Zugang zu Kreditkarten vieler Millionen Kunden nicht das ideale Zahlungssystem für online Shops und könnten sie so nicht auch mit Google Checkout oder Amazon Payment konkurrieren?
  • Ist Apple durch ihre (immerhin zensierten) Apps offen genug oder wird Google punkten, da das ganze Betriebssystem Open Source ist und mehr e-Commerce Visionen ermöglicht?
  • Wird Google auch Apps von Apple für Android versuchen abzulehnen, so wie es mit Google Apps für das iPhone passiert ist, die Apple nicht gefallen haben?
  • Wird es Apps geben die das Einkaufen in vielen Shops gleichzeitig ermöglichen oder sogar Integrationen auf Betriebssystemebene von Haus aus?

In diesem Bereich könnte ich mir Apps vorstellen, die aufgrund der standardisierten APIs von Shopsystemen, wie Magento, Kataloge auslesen und Bestellungen zurücksenden. Ein neuer Vertriebsweg für Shopbetreiber?

Sicher ist, dass durch den Einfluss von Open Source und die unglaubliche Verbreitung von iPhones das Thema e-Commerce bei Apple und Google, egal ob direkt oder per Apps von Drittparteien, extrem spannend wird!