Die Plattform Diskussion zwischen Demandware (SaaS) und Magento (kommerzielles Open Source) ist im vollen Gange. Matt Asay schrieb bei CNET über die fehlerhafte Kritik an Open Source von Stephan Schambach, Roy Rubin griff das Thema im Magento Blog auf und Jochen Krisch informierte über den Stand der Debatte. So sah sich Demandware gezwungen erneut Stellung zu dem Thema zu nehmen und rechtfertigte sich gleich in zwei weiteren Beiträgen in ihrem Blog.
Die Argumentation von Stephan Schambach gegen die bekannte Abhängigkeit von SaaS Anbietern überraschte mich dann doch sehr:
With Demandware, there is vendor dependency, of course. But what is delivered is well defined, and there is the same customization flexibility as with other development environments.
Aus meiner Sicht wird die Abhängigkeit von einem Anbieter wie Demandware nicht dadurch geschwächt, dass diese genau definiert ist in Verträgen. Ganz im Gegenteil, denn die Innovationsgeschwindigkeit und die Möglichkeit der Ausarbeitung von Alleinstellungsmerkmalen liegt bei einer SaaS Plattform immer in der Entscheidungshoheit des Anbieters. Sollte dieser eine Funktion für so interessant halten, dass sie aufgenommen wird in die Software, ist davon auszugehen, dass diese von einer großen Anzahl von Kunden nachgefragt wird und dann auch zeitgleich überall in der gleichen Weise eingebunden wird. Wettbewerbsvorteile sehen anders aus.
Die Abhängigkeit von Demandware als SaaS Anbieter versucht Stephan Schambach weiterhin gleich zu setzen mit der beim Einsatz einer Open Source Entwicklung:
In a heavily customized Open Source app, the business side—the eCommerce merchandisers—are dependent on either an agency for every change and pay through the nose, or they depend on an IT department and talent is hard to find, expensive, and even harder to keep.
Diese Argumentation beinhaltet einige Fehleinschätzungen und trifft eher auf eine komplette Eigenentwicklung zu, als auf eine standardisierte Open Source Lösung. Der Vorteil hier liegt gerade darin, dass viele Agenturen, der Hersteller und auch In-House Entwickler die Lösungen weiterentwickeln und warten können. In der Regel wird durch Schulungen, Dokumentation und Literatur zu der Plattform die Möglichkeit gegeben unabhängig von einer Agentur oder wenigen Entwicklern zu sein. Sicher ist aktuell die Nachfrage nach Magento Entwicklern hoch, die Anzahl der Entwickler die sich mit der Plattform beschäftigen und somit in Frage kommen als Mitarbeiter ist jedoch auch riesig (Mehr als 1 Mio. Downloads in 14 Monaten).
Genau wie bei Demandware setzt Magento bei Komponenten die die Kernkompetenz verlassen auf externe Dienstleister und auch SaaS. So findet man neben spezialisierten Infrastruktur-Dienstleistern bei Magento Connect mittlerweile weit über 1.000 Module unter denen auch Anbindungen an SaaS Dienste sind. Die freie Auswahl der passenden Dienste ist in diesem Fall jedoch dem Shopbetreiber überlassen und nicht von der Plattform vorgegeben. Außerdem kann in dieser Konstellation sichergestellt werden, dass die wertvollen Daten auch wirklich im Besitz des Kunden bleiben und nicht an den Dienstleister gebunden sind.
Das nenne ich e-Commerce Freedom.
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Mehr und mehr Hersteller trauen sich selber im e-Commerce an Endkunden zu verkaufen und werden durch starke Umsatzzuwächse bestätigt. So berichtete Get Elastic in Bezug auf einen Internet Retailer Artikel letzte Woche, dass e-Commerce Wachstumszahlen von 50% pro Jahr keine Seltenheit bei den Herstellern sind.
In der Internet Retailer Top 500 Liste befinden sich aktuell 55 Hersteller, von denen 40 über Wachstum, 5 über Stagnation und 11 über Rückgang im e-Commerce Umsatz im Vergleich von 2007 zu 2008 berichten.
Neben den offensichtlichen Vorteilen, wie der direkten Monetarisierung von markenorientierten Kunden und der Aufmerksamkeitslenkung dieser auf Produkte der eigenen Marke, werden Hersteller auch mit einer Reihe von Hürden und neuen Herausforderungen konfrontiert, wenn sie sich entscheiden selber in das Endkundengeschäft einzusteigen und dafür Know How aufzubauen. Das diese Wissenslücken gerne mit Hilfe eines Partners mit Logistik und e-Commerce Know How geschlossen werden zeigen Beispiele wie C&A oder Esprit, die ihren online Handel komplett per D+S (Heycom) abbilden. Verständlicher weise haben sich daher eine ganze Reihe von Fullfilment-Dienstleistern gebildet, die Herstellern einen großen Teil der Arbeit, aber natürlich meist auch einen Teil es Umsatzes abnehmen.
Hersteller sollten darauf achten, dass die verwendete e-Commerce Plattform unabhängig vom Fulfillmentdienstleister gewählt werden kann und eingerichtet wird. Auch dann, wenn die Lösung aus einer Hand kommt. Durch dieses Vorgehen kann sichergestellt werden, dass bei einem möglichen Wechsel des Dienstleisters das Know How um den e-Commerce nicht komplett neu aufgebaut werden muss und Alleinstellungsmerkmale beibehalten werden können, ohne diese neu zu erstellen.
Spätestens seitdem Enterprise Open Source Systeme wie Magento echte Alternativen zu rein kommerziellen Systemen der Fulfillmentdienstleister (z.B. das viel genutzte Demandware) geworden sind, kann die oben angesprochene Unabhängigkeit auch von Herstellern erreicht werden.
Bei Visions arbeiten wir aktuell als Magento e-Commerce Agentur an einer Reihe von namhaften Herstellerprojekten, bei denen wir mit Fulfillmentdienstleistern kooperieren, die alle Bereiche rund um das e-Commerce System an sich abdecken.
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Mit der Veröffentlichung eines Kundenfeedbacks (Grasscity) nach dem Umstieg von Intershop auf Magento im Magento Blog und dem darauffolgenden Thema bei Excitingcommerce ist die Diskussion um Shopsoftware auf dem Enterprise Level jetzt erstmalig auch unter Einbeziehung von Intershop ausgebrochen.
Interessanterweise scheint es für einige Marktteilnehmer noch immer überraschend zu sein, dass Magento sich als kommerzielles Open Source System direkt gegen Intershop, Hybris, IBM Websphere, Demandware und weitere rein kommerzielle Anbieter von Shopsoftware platziert und auch durchsetzen kann. Die entsprechende Zielgruppe, also die online Händler, haben Magento schon längst als Alternative für sich entdeckt und schließen das System in ihre Evaluierungen mit ein. Das zeigt auch unsere Erfahrung der ersten 6 Monate dieses Jahres, in denen wir bei Visions fast ausschließlich von Unternehmen eingeladen werden, die in die Zielgruppe der o.a. Softwareanbieter fallen.
Wie sehr sich diese Anbieter aktuell noch gegen den Open Source Ansatz wehren und sogar Aussagen wie „Open Source kann nicht Enterprise sein“ in dem Raum stellen, kann man sehr schön in einer Diskussion bei Xing nachvollziehen, in der einer der Top 50 deutschen e-Commerce Shops (MDM) Informationen ersucht und sich nach Open Source Lösungen für ein Unternehmen seiner Größe erkundigt.
In der aktuellen Diskussion um das oben angesprochene Kundenzitat bei Excitingcommerce und auch bei Xing wird die Frage nach dem besten Entwicklungsmodell gestellt. Open Source Standardsoftware wird dort in einem Kommentar von Stefan Hollmann von Intershop mit kommerzieller Standardsoftware auf eine Seite gestellt und eher die Individualentwicklung als Alternative dargestellt. Dabei zeichnet es gerade kommerzielle Open Source Systeme wie Magento aus, die Vorteile einer Standardsoftware (betreut und weiter entwickelt durch den Hersteller) mit denen einer Individualentwicklung (maximale Flexibilität in der Entwicklung bei Unabhängigkeit von Agentur und Entwicklern) zu kombinieren. Im Vergleich dazu ist eine komplette Eigenentwicklung bei den Umfängen an Funktionalität, die jeder online Shop heute von Haus aus bieten muss, aufgrund der viel höheren TCO wohl nur bei sehr individuellen Geschäftsmodellen anwendbar, die wenige Gemeinsamkeiten mit Standardsoftware haben.
Ich bin gespannt, wie sich die oben genannten rein kommerziellen Anbieter in Zukunft gegen kommerzielle Open Source Anbieter behaupten wollen, die die Sicherheit eines Softwarehauses mit der Entwicklunsgeschwindigkeit und Flexibilität eines Open Source Produktes verbinden. Die generelle Verbreitung von Open Source Software in anderen Themenbereichen des Enterprise Segments deutet da wohl einen eindeutigen Trend. Auch interessant in diesem Kontext: Gartner: Use open source to cut 35% from e-commerce costs
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