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Was wird aus Magento?

Nach dem Verkauf an eBay und der Enthüllung um die auf der Strecke gebliebenen und am Aufbau von Magento beteiligten Mitarbeiter, fragen sich viele wie es mit Magento weiter geht.

Um das Stimmungsbild einzufangen hat Josef von TechDivision eine Umfrage gestartet und bittet um rege teilnahme in der Szene. Ich möchte mit diesem Beitrag auch auf seine Umfrage aufmerksam machen. Bitte teilnehmen:

Umfrage zur Magento-Übernahme durch eBay

Tradoria Checkout startet im Sommer 2011

Ich unterstütze die Tradoria Geschäftsführung als Berater bei dem Aufbau eines neuen Produktes, welches unter dem Namen Tradoria Checkout ab Sommer 2011 für Shopbetreiber angeboten werden wird.

Bei Tradoria Checkout handelt es sich um ein Checkout System, vergleichbar mit Google Checkout oder Checkout by Amazon, jedoch speziell für die Bedürfnisse von deutschen Shopbetreibern und Händlern ausgelegt. So werden 10 Zahlungsarten mit Auszahlungsgarantie (darunter auch Lastschrift und Rechnung), sowie telefonische Bestellannahme angeboten werden. Zur schnellen Einbindung in bestehende Shopsysteme werden kostenlose Module für Magento, OXID esales und XT:commerce, sowie ein Handbuch zur Integration in weitere Shopsysteme und Eigenentwicklungen angeboten.

Durch den Tradoria Checkout können online Händler von der bei bereits über 1 Mio. Bestellungen gesammelten Erfahrung profitieren und innerhalb kürzester Zeit ohne Risiko durch Forderungsausfall online verkaufen. Die bisherigen Kunden des Tradoria Marktplatzes und der über 4.800 Tradoria Mietshops können ohne erneute Anmeldung einfach unter Nutzung ihrer bestehenden Zugangsdaten per Tradoria Checkout sicher in angebundenen Shops einkaufen. Als gleichzeitig angebotene Alternative zu aktuellen Payment Service Provider Integrationen oder zum schnellen Einstieg in den online Handel stellen Checkout Systeme eine attraktive Option dar, die es in Deutschland bisher noch nicht gibt.

Magento vs. Oxid eSales: Wer zieht die Fäden im Hintergrund?

Durch die Bekanntmachung der eBay Beteiligung von 49% an Magento ist die Diskussion um die Ausrichtung und Unabhängigkeit entbrannt. Im März 2010 wurde von einem 21,5 Mio. USD Investment berichtet, welches somit aufgeklärt sein sollte. Es zeigen sich jetzt viele Stimmen sehr kritisch über die Open Source & Community Zukunft von Magento innerhalb der eBay Gruppe. Besonders Magento GO (Projektname Stratus) scheint ein wichtiger Eckpunkt für das Investment von eBay zu sein, denn die Bekanntmachung der Beteiligung wurde fast ein Jahr verzögert, um die Katze erst nach der Imagine Konferenz aus dem Sack zu lassen in derem Kontext GO angekündigt wurde.

Unabhängig davon, ob eBay Magento in 2010 und heute noch genug Luft lässt die eigene “Vision” zu verfolgen, ist durch die jetzt schon 49% Beteiligung klar, dass das Gründerteam um Roy Rubin und Yoav Kuttner mittelfristig nicht mehr in der Lage sein wird mit der selbstbestimmten Dynamik voran zu schreiten, die Magento 2008 und 2009 groß gemacht hat. Initiativen wie die engere Einbindung der Community in die Entwicklung des Kernproduktes scheinen still zu stehen und, wie auch Roman bemerkt, nicht über das Melden von Bugs hinaus zu kommen. Fragen nach einem Fork oder einer Revolution aus der Community heraus werden gestellt.

Wie steht es eigentlich finanziell um Oxid, die den Open Source Schritt erst nach Magento gegangen sind und immer etwas im Schatten von Magento stehen? Ich habe Quellen gefunden, die darauf hinweisen, dass Oxid im November 2008 von der MBG (Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg) Mittel erhalten hat, um u.a. die Open Source Strategie verfolgen zu können. Aus den Erläuterungen des Jahresabschlusses geht außerdem hervor, dass Oxid 2011 laut Prognose erstmalig profitabel das Jahr beenden möchte. Wer steckt also hinter der MBG und welcher Einfluss auf Oxid wird durch diesen Investor ausgewirkt? In der Pressemeldung wird dieses verdeutlicht:

Die Beteiligung erfolgte im Rahmen der 2007 beschlossenen Kooperation von LBBW Venture, KfW und MBG zur Förderung von innovativen Wachstumsunternehmen. Die Gesamtkooperation von LBBW Venture, KfW und MBG umfasst derzeit ein Beteiligungsvolumen von 30 Mio. €. Mit diesem Finanzierungsangebot soll sichergestellt werden, dass jungen Unternehmen in der Entwicklungs- und Markteinführungsphase in Baden-Württemberg neben einer ausreichenden Kapitalausstattung durch die intensive Betreuung und die Bündelung der sich ergänzenden Netzwerke eine optimale Unterstützung zukommt. Das Angebot zielt darauf, die Erfolgschancen von innovativen Gründungen in Baden-Württemberg zu stärken.

Meiner Meinung nach ist somit eine klare Unterstützung in der Markteinführungsphase gemeint, welche in den kommenden Jahren abgeschlossen sein sollte. Strategisch sollte Oxid daher wohl unabhängig bleiben können. Wie sich genau die Beteiligungsverhältnisse um Oxid gestalten hat sich mir jedoch noch nicht erschlossen.

Ich teile die Meinung, dass sich Magento zwischen vielen Investoren entscheiden konnte und in dieser frühen Phase daher keine Abhängigkeit in solcher Größe hätte eingehen sollen. Vermutlich wäre ein rein finanzielles Investment, wie in dem Beispiel von Oxid, die bessere Wahl gewesen, um strategisch auch weiterhin das Ruder in der Hand zu haben. Community vs. Enterprise vs. GO wird sicher  noch heftig diskutiert werden.

Visions wird zu next commerce in der SinnerSchrader Gruppe

Nach etwas mehr als zwei Monaten intensiver Arbeit ist es vollbracht, die Fortführung von Visions ist gesichert als next commerce innerhalb der SinnerSchrader Gruppe.

Kurz nach meinem Beitrag zu der Anmeldung der Insolvenz Ende November wurden wir dank der ausführlichen Berichterstattung bei Excitingcommerce (Vielen Dank Jochen!), in weiteren Blogs und Medien förmlich erdrückt von Anfragen potentieller Investoren. Dank der sehr kompetenten Unterstützung von Brinkmann & Partner konnten wir uns dann jedoch zeitnah auf ein Lösungsszenario konzentrieren, welches die Fortführung von Visions im Rahmen der jetzt durchgeführten übertragenden Sanierung sichert und die beste Perspektive ermöglicht.

Alleiniger Geschäftsführer ist ab sofort Moritz Koch, der bereits seit Gründung der next commerce 2009 diese Position bekleidet. Der Standort Hannover bleibt für das Team erhalten. Ich selber werde next commerce als Berater hinsichtlich der Direct-to-Consumer Strategie fortan zur Seite stehen und meine mittlerweile 10 Jahre Erfahrung im e-Commerce auch gerne in anderem Kontext anbieten, sowie ein neues internationales und englischsprachiges e-Commerce Blog starten.

Es freut mich sehr, dass wir mit SinnerSchrader und next commerce einen leistungsfähigen Partner gefunden haben, der unsere Vision einer extrem leistungsfähigen e-Commerce-Plattform, speziell für die Bedürfnisse von international agierenden Marken und Herstellern, weiter verfolgt.

Netresearch wird Magento’s corporate representative in Europa

Soeben erreichte die Magento Partner ein bedeutendes Rundschreiben. So wird der aktuelle Enterprise Partner Netresearch in Zukunft als Magento Basis in Europa auftreten. In dem Schreiben heißt es:

To facilitate our focused and localized strategy, we hired Thomas Fleck from Netresearch who will be Magento’s corporate representative in Europe for marketing and events coordination.

Natürlich fragen sich die aktuellen Magento Partner in diesem Fall nach den Auswirkungen auf ihr Implementationsgeschäft. Als Antwort wird in dem Schreiben genannt, dass sich Netresearch komplett aus dem Endkundengeschäft zurückziehen wird und dann Services für andere Partner erbringt, sowie die Events wie Meet Magento weiter koordiniert.

Thomas and Netresearch will discontinue to serve end clients directly as a Magento Enterprise Partner.  Netresearch will focus on Magento marketing and event initiatives in Europe as well as providing Magento professional services and enabling solution and industry partners.

Mir schein der Schritt schlüssig und ich wünsche Thomas alles Gute bei Magento. Sicher wird er jetzt mit Michel Goossens, der aktuell als Vice President and General Manager Magento EMEA der einzige Angestellte von Magento in Europa ist, die Entwicklung in Europa vorantreiben.

Wie viel Magento steckt noch in Zalando?

Diese Frage stellte ich mir beim Betrachten der aktuellen Zalando Seite, welche offensichtlich letztes Jahr im September einem Relaunch unterworfen wurde. Gerüchten zufolge ist Hybris oder doch eine Eigenlösung jetzt treibende Software bei dem Zappos Klon. Bestätigt ist nur der Einsatz von Semiramis als webbasiertes ERP, was wohl gegen Hybris spricht.

Im April berichtete die PHP Usergroup Berlin noch von dem aktuellen Setup in einer Präsentation mit dem Namen “Ein Leben mit und ohne Magento”, welche direkt noch immer verfügbar ist, jedoch von Slideshare entfernt wurde, nachdem sie in einigen Blogs, wie auch bei Excitingcommerce aufgegriffen wurde.

Innerhalb dieser Präsentation findet sich eine sehr interessante Darstellung des damaligen Setups von Zalando. Wie bei jeder hoch skalierten e-Commerce Lösung hatten auch damals die Requests nur selten das Vergnügen wirklich mit /Zitat “Plain old Magento” in Kontakt zu kommen. Große Teile des Shops wie Katalog, Suche und Produktseiten wurden schon durch den Zalando Frontend Cache oder den so genannten Booster (MVC Light Framework) abgefangen. Anfragen die durch den Zalando Frontend Cache abgefangen wurden, erhielten ihre eventuell dynamischen Elemente performant kurz vor Auslieferung an den Besucher dann über Umwege per Cookie, Session oder externe Services. Aus der Magento Datenbank (EAV) selber wurde nicht direkt gelesen. Dafür gab es die “optimzed Booster DB”, welche das eigene MVC Framework direkt oder per SolR belieferte.

Nach diesem Einblick würde ich sagen, dass Zalando im April 2009 schon sehr weit vom Magento Standard entfernt war. Man hatte im Prinzip sein eigenes e-Commerce Framework mit eigener Datenbanklösung erstellt und vor Magento geschaltet. Das für Kenner sichtbare Update im September halte ich somit eher für eine Überarbeitung des selbst entwickelten MVC Frameworks. Björn Schotte erkannte anhand des Cookies direkt, dass es sich um Java handeln müsse. Welche Funktion “Plain old Magento” heute noch bei Zalando hat kann man nur vermuten, ich denke jedoch, dass es noch immer Bestandteil der Gesamtlösung ist, wenn auch nur im Hintergrund.

Bei der Optik orientiert sich Zalando übrigens teilweise noch sehr am Magento Standard / Demo Shop. Der Vergleich des Loginbereiches macht dieses deutlich:

Magento Stratus, eine Alternative zu Venda oder Demandware?

Anfang Oktober erreichte die Magento Partner eine Ankündigung von Roy Rubin über die bevorstehende Beta Phase von Magento Stratus. Kurz gesagt, Magento in der Cloud als SaaS Dienst direkt vom Hersteller. Die Erwartungen waren nach dem Trommelwirbel natürlich sehr hoch:

Everything you already know and love about the Community Edition platform is available with this hosted service. But it doesn’t stop there. Soon after launch, Stratus will empower merchants and developers to customize, modify, extend and integrate a hosted store as if it were their own code running on their own servers … an unprecedented capability in the market today.

Mit Erfahrung in Magento Projekten und der Anpassung der Software für Kundenwünsche und individuelle Ansprüche, steht man natürlich mit einem großen Fragezeichen vor der Aussage, dass man trotz SaaS den Code so anpassen können soll, als wäre es eine selbst gewartete und betreute Lösung.

Die ersten Einblicke der Beta Tester ließen noch nicht viel über den Grad der Anpassung in der finalen Version von Stratus durchblicken, jedoch war deutlich keine Euphorie zu spüren. MageThemes schreibt:

We will keep working with the Stratus beta but I can’t see how we could possibly be expected to put a production store on it. I can’t even change the logo from the Magento logo to mine. Hmmm.

Abgesehen von der aktuellen Beta Version ist die Frage wo sich Magento mit dem Produkt platzieren will und welche Rolle die Partner spielen sollen. Vergleicht man die Lösung mit Venda oder auch Demandware, so müsste Stratus sehr wohl große Einschränkungen bei der Anpassbarkeit des Shops mit sich bringen, um von Magento selber mit SLAs betrieben werden zu können.

Betrachtet man dagegen den Umfang einer Demandware-Lösung und die Komplexität des Entwicklungsprozesses, wird klar, dass Magento sich ein ehrgeiziges Projekt vorgenommen hat. Auch wenn Demandware seit kurzem mit einer kleineren Lösung am Markt ist (ab 60 T€ / Jahr) die eine niedrigere Einstiegshürde aus finanzieller Sicht darstellt, bleibt die Frage offen wie genau sich Magento mit Stratus (Kosten sind noch nicht veröffentlicht) gegen diesen etablierten Anbieter im SaaS Bereich platzieren kann.

Ein weiterer Player im SaaS Markt, der mir noch gut aus England in Erinnerung ist, ist Venda. Selbsternannter weltweit größter on-demand e-Commerce Anbieter mit einem extrem starken Vertrieb. Mittlerweile auch in New York ansässig, bedient Venda hauptsächlich Kunden aus England und den USA. Im Gegensatz zu Demandware ist Vendas Kostenmodell nicht auf Transaktionsbasis, sondern auf fixen Gebühren pro Monat aufgebaut. So kann ein Shopbetreiber “schon” ab 5 T Pfund pro Monat einen Venda Shop mieten und diesen dann über eine ganze Reihe an Zusatzleistungen zum Leben erwecken.

Der Markt ist groß und daher wird Stratus sicher auch einen Platz einnehmen können. Nach ersten Berichten der Beta Tester wird dieser jedoch eher im Bereich der kleinen Mietshops aller Strato liegen und nicht auf dem Niveau von Venda oder Demandware ankommen.