Schlagwort-Archive: Magento

Visions wird zu next commerce in der SinnerSchrader Gruppe

Nach etwas mehr als zwei Monaten intensiver Arbeit ist es vollbracht, die Fortführung von Visions ist gesichert als next commerce innerhalb der SinnerSchrader Gruppe.

Kurz nach meinem Beitrag zu der Anmeldung der Insolvenz Ende November wurden wir dank der ausführlichen Berichterstattung bei Excitingcommerce (Vielen Dank Jochen!), in weiteren Blogs und Medien förmlich erdrückt von Anfragen potentieller Investoren. Dank der sehr kompetenten Unterstützung von Brinkmann & Partner konnten wir uns dann jedoch zeitnah auf ein Lösungsszenario konzentrieren, welches die Fortführung von Visions im Rahmen der jetzt durchgeführten übertragenden Sanierung sichert und die beste Perspektive ermöglicht.

Alleiniger Geschäftsführer ist ab sofort Moritz Koch, der bereits seit Gründung der next commerce 2009 diese Position bekleidet. Der Standort Hannover bleibt für das Team erhalten. Ich selber werde next commerce als Berater hinsichtlich der Direct-to-Consumer Strategie fortan zur Seite stehen und meine mittlerweile 10 Jahre Erfahrung im e-Commerce auch gerne in anderem Kontext anbieten, sowie ein neues internationales und englischsprachiges e-Commerce Blog starten.

Es freut mich sehr, dass wir mit SinnerSchrader und next commerce einen leistungsfähigen Partner gefunden haben, der unsere Vision einer extrem leistungsfähigen e-Commerce-Plattform, speziell für die Bedürfnisse von international agierenden Marken und Herstellern, weiter verfolgt.

Netresearch wird Magento’s corporate representative in Europa

Soeben erreichte die Magento Partner ein bedeutendes Rundschreiben. So wird der aktuelle Enterprise Partner Netresearch in Zukunft als Magento Basis in Europa auftreten. In dem Schreiben heißt es:

To facilitate our focused and localized strategy, we hired Thomas Fleck from Netresearch who will be Magento’s corporate representative in Europe for marketing and events coordination.

Natürlich fragen sich die aktuellen Magento Partner in diesem Fall nach den Auswirkungen auf ihr Implementationsgeschäft. Als Antwort wird in dem Schreiben genannt, dass sich Netresearch komplett aus dem Endkundengeschäft zurückziehen wird und dann Services für andere Partner erbringt, sowie die Events wie Meet Magento weiter koordiniert.

Thomas and Netresearch will discontinue to serve end clients directly as a Magento Enterprise Partner.  Netresearch will focus on Magento marketing and event initiatives in Europe as well as providing Magento professional services and enabling solution and industry partners.

Mir schein der Schritt schlüssig und ich wünsche Thomas alles Gute bei Magento. Sicher wird er jetzt mit Michel Goossens, der aktuell als Vice President and General Manager Magento EMEA der einzige Angestellte von Magento in Europa ist, die Entwicklung in Europa vorantreiben.

Wie viel Magento steckt noch in Zalando?

Diese Frage stellte ich mir beim Betrachten der aktuellen Zalando Seite, welche offensichtlich letztes Jahr im September einem Relaunch unterworfen wurde. Gerüchten zufolge ist Hybris oder doch eine Eigenlösung jetzt treibende Software bei dem Zappos Klon. Bestätigt ist nur der Einsatz von Semiramis als webbasiertes ERP, was wohl gegen Hybris spricht.

Im April berichtete die PHP Usergroup Berlin noch von dem aktuellen Setup in einer Präsentation mit dem Namen „Ein Leben mit und ohne Magento“, welche direkt noch immer verfügbar ist, jedoch von Slideshare entfernt wurde, nachdem sie in einigen Blogs, wie auch bei Excitingcommerce aufgegriffen wurde.

Innerhalb dieser Präsentation findet sich eine sehr interessante Darstellung des damaligen Setups von Zalando. Wie bei jeder hoch skalierten e-Commerce Lösung hatten auch damals die Requests nur selten das Vergnügen wirklich mit /Zitat „Plain old Magento“ in Kontakt zu kommen. Große Teile des Shops wie Katalog, Suche und Produktseiten wurden schon durch den Zalando Frontend Cache oder den so genannten Booster (MVC Light Framework) abgefangen. Anfragen die durch den Zalando Frontend Cache abgefangen wurden, erhielten ihre eventuell dynamischen Elemente performant kurz vor Auslieferung an den Besucher dann über Umwege per Cookie, Session oder externe Services. Aus der Magento Datenbank (EAV) selber wurde nicht direkt gelesen. Dafür gab es die „optimzed Booster DB“, welche das eigene MVC Framework direkt oder per SolR belieferte.

Nach diesem Einblick würde ich sagen, dass Zalando im April 2009 schon sehr weit vom Magento Standard entfernt war. Man hatte im Prinzip sein eigenes e-Commerce Framework mit eigener Datenbanklösung erstellt und vor Magento geschaltet. Das für Kenner sichtbare Update im September halte ich somit eher für eine Überarbeitung des selbst entwickelten MVC Frameworks. Björn Schotte erkannte anhand des Cookies direkt, dass es sich um Java handeln müsse. Welche Funktion „Plain old Magento“ heute noch bei Zalando hat kann man nur vermuten, ich denke jedoch, dass es noch immer Bestandteil der Gesamtlösung ist, wenn auch nur im Hintergrund.

Bei der Optik orientiert sich Zalando übrigens teilweise noch sehr am Magento Standard / Demo Shop. Der Vergleich des Loginbereiches macht dieses deutlich:

Magento Stratus, eine Alternative zu Venda oder Demandware?

Anfang Oktober erreichte die Magento Partner eine Ankündigung von Roy Rubin über die bevorstehende Beta Phase von Magento Stratus. Kurz gesagt, Magento in der Cloud als SaaS Dienst direkt vom Hersteller. Die Erwartungen waren nach dem Trommelwirbel natürlich sehr hoch:

Everything you already know and love about the Community Edition platform is available with this hosted service. But it doesn’t stop there. Soon after launch, Stratus will empower merchants and developers to customize, modify, extend and integrate a hosted store as if it were their own code running on their own servers … an unprecedented capability in the market today.

Mit Erfahrung in Magento Projekten und der Anpassung der Software für Kundenwünsche und individuelle Ansprüche, steht man natürlich mit einem großen Fragezeichen vor der Aussage, dass man trotz SaaS den Code so anpassen können soll, als wäre es eine selbst gewartete und betreute Lösung.

Die ersten Einblicke der Beta Tester ließen noch nicht viel über den Grad der Anpassung in der finalen Version von Stratus durchblicken, jedoch war deutlich keine Euphorie zu spüren. MageThemes schreibt:

We will keep working with the Stratus beta but I can’t see how we could possibly be expected to put a production store on it. I can’t even change the logo from the Magento logo to mine. Hmmm.

Abgesehen von der aktuellen Beta Version ist die Frage wo sich Magento mit dem Produkt platzieren will und welche Rolle die Partner spielen sollen. Vergleicht man die Lösung mit Venda oder auch Demandware, so müsste Stratus sehr wohl große Einschränkungen bei der Anpassbarkeit des Shops mit sich bringen, um von Magento selber mit SLAs betrieben werden zu können.

Betrachtet man dagegen den Umfang einer Demandware-Lösung und die Komplexität des Entwicklungsprozesses, wird klar, dass Magento sich ein ehrgeiziges Projekt vorgenommen hat. Auch wenn Demandware seit kurzem mit einer kleineren Lösung am Markt ist (ab 60 T€ / Jahr) die eine niedrigere Einstiegshürde aus finanzieller Sicht darstellt, bleibt die Frage offen wie genau sich Magento mit Stratus (Kosten sind noch nicht veröffentlicht) gegen diesen etablierten Anbieter im SaaS Bereich platzieren kann.

Ein weiterer Player im SaaS Markt, der mir noch gut aus England in Erinnerung ist, ist Venda. Selbsternannter weltweit größter on-demand e-Commerce Anbieter mit einem extrem starken Vertrieb. Mittlerweile auch in New York ansässig, bedient Venda hauptsächlich Kunden aus England und den USA. Im Gegensatz zu Demandware ist Vendas Kostenmodell nicht auf Transaktionsbasis, sondern auf fixen Gebühren pro Monat aufgebaut. So kann ein Shopbetreiber „schon“ ab 5 T Pfund pro Monat einen Venda Shop mieten und diesen dann über eine ganze Reihe an Zusatzleistungen zum Leben erwecken.

Der Markt ist groß und daher wird Stratus sicher auch einen Platz einnehmen können. Nach ersten Berichten der Beta Tester wird dieser jedoch eher im Bereich der kleinen Mietshops aller Strato liegen und nicht auf dem Niveau von Venda oder Demandware ankommen.

Status Quo: Google Checkout, Amazon FPS & Paypal Express in 2011

Zwischen den Jahren habe ich mich mit einer kurzen Recherche zu dem Stand der Checkout Systeme der großen Player am Markt beschäftigt. Als ich 2006 und 2007 den e-Commerce Bereich bei Aria in Manchester geleitet habe, war das Thema extrem präsent und Google durch den aggressiven Einstieg in den Markt (10 Pfund Kostenübernahme bei jeder Bestellung ab 30 Pfund) ein interessanter Partner.

Jetzt scheint es mir jedoch so, als wäre zumindest bei Google Checkout die Luft raus. Der damals noch für 2007 geplante Start auf dem europäischen Festland hat bis heute nicht stattgefunden und neben US und UK konnte ich kein weiteres Land finden, in dem man per Checkout zahlen kann. Die Kostenstruktur wurde 2009 exakt an die von Paypal angepasst und auch die Incentivierung durch gebührenfreie Transaktionen in zehnfacher Höhe der AdWords Ausgaben wurde eingestellt. Zu den Nutzerzahlen konnte ich keine Angaben finden, es ist somit fraglich welche Anzahl von Kunden ihre Kreditkartendaten Google anvertrauen wollten.

Amazon FPS fand und finde ich aus Sicht eines online Händlers noch immer am spannendsten. Das Vertrauen der Nutzer in eine Zahlungsabwicklung per Amazon ist hoch und besonders die Anzahl der Accounts ist enorm. Aus technischer Sicht ist FPS gut über die API anzusprechen und unterstützt sogar Abonnements. Leider ist hier jedoch auch seit 2007 der USD die alleinige Währung und so sucht man vergeblich nach Shops in Europa mit dieser Checkout Option.

Paypal Express wird den meisten Nutzern auch aus Deutschland geläufig sein und ist mittlerweile in sehr vielen Shops als schnelle Alternative am normalen Checkout vorbei integriert. Als Google Checkout 2006 in US aufkam ernannte eBay es umgehend zur verbotenen Zahlungsmethode für Auktionen, damals waren scheinbar die Fronten zwischen Paypal und Google noch nicht geklärt. Heute zeigt sich Papal führend an der Front der online Zahlungssysteme und festigt diese Position mit Aktionen wie X.com oder auch einer innigen Liebe zum Shopsystem Magento.

Es würde mich freuen zu dem Thema Feedback und Erfahrungsberichte zu hören, da die Diskussion hierzulande um die Checkoutsysteme als Alternative zu PSP Integrationen innerhalb eines „normalen“ Checkouts im Shop nicht wirklich angelaufen ist. Dabei gibt es viele spannende Aspekte zu diskutieren in diesem Bereich. Ich hoffe, dass sich Google und Amazon trauen ihre Systeme weiter auszubreiten und nicht bei dem Stand von 2007 bleiben. Denn jetzt 2011 ist es sogar vorstellbar, dass Facebook bald zum Konkurrenten von Paypal heranwächst, wenn denn die eigene Währung in eine solche Richtung entwickelt wird.

Im Herbst 2007 hatte ich zu dem Thema einen Vortrag auf dem Internet World Kongress gehalten, der erstaunlicher weise noch immer recht aktuell die heutige Situation zusammenfasst: