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Wie viel Magento steckt noch in Zalando?

Diese Frage stellte ich mir beim Betrachten der aktuellen Zalando Seite, welche offensichtlich letztes Jahr im September einem Relaunch unterworfen wurde. Gerüchten zufolge ist Hybris oder doch eine Eigenlösung jetzt treibende Software bei dem Zappos Klon. Bestätigt ist nur der Einsatz von Semiramis als webbasiertes ERP, was wohl gegen Hybris spricht.

Im April berichtete die PHP Usergroup Berlin noch von dem aktuellen Setup in einer Präsentation mit dem Namen “Ein Leben mit und ohne Magento”, welche direkt noch immer verfügbar ist, jedoch von Slideshare entfernt wurde, nachdem sie in einigen Blogs, wie auch bei Excitingcommerce aufgegriffen wurde.

Innerhalb dieser Präsentation findet sich eine sehr interessante Darstellung des damaligen Setups von Zalando. Wie bei jeder hoch skalierten e-Commerce Lösung hatten auch damals die Requests nur selten das Vergnügen wirklich mit /Zitat “Plain old Magento” in Kontakt zu kommen. Große Teile des Shops wie Katalog, Suche und Produktseiten wurden schon durch den Zalando Frontend Cache oder den so genannten Booster (MVC Light Framework) abgefangen. Anfragen die durch den Zalando Frontend Cache abgefangen wurden, erhielten ihre eventuell dynamischen Elemente performant kurz vor Auslieferung an den Besucher dann über Umwege per Cookie, Session oder externe Services. Aus der Magento Datenbank (EAV) selber wurde nicht direkt gelesen. Dafür gab es die “optimzed Booster DB”, welche das eigene MVC Framework direkt oder per SolR belieferte.

Nach diesem Einblick würde ich sagen, dass Zalando im April 2009 schon sehr weit vom Magento Standard entfernt war. Man hatte im Prinzip sein eigenes e-Commerce Framework mit eigener Datenbanklösung erstellt und vor Magento geschaltet. Das für Kenner sichtbare Update im September halte ich somit eher für eine Überarbeitung des selbst entwickelten MVC Frameworks. Björn Schotte erkannte anhand des Cookies direkt, dass es sich um Java handeln müsse. Welche Funktion “Plain old Magento” heute noch bei Zalando hat kann man nur vermuten, ich denke jedoch, dass es noch immer Bestandteil der Gesamtlösung ist, wenn auch nur im Hintergrund.

Bei der Optik orientiert sich Zalando übrigens teilweise noch sehr am Magento Standard / Demo Shop. Der Vergleich des Loginbereiches macht dieses deutlich:

Inspirierende Firmenkultur bei Zappos.com

Ich bin gestern über einen TV Bericht von Zappos.com gestolpert. Das Video zeigt wie Zappos es geschafft hat innerhalb von 9 Jahren auf eine Milliarde Dollar Umsatz durch Schuhverkauf im Internet zu wachsen und welche Firmenkultur vor Ort gefeiert wird. Feiern ist auch das entscheidende Stichwort: Der jetzige CEO von Zappos Tony Hsieh sagt in dem Interview, dass er die Individualität jedes Mitarbeiters respektiert und feiert. Nach dem Verkauf von LinkExchange an Microsoft für 265 Mio. US Dollar 1998 stieg Tony bei Zappos als Finanzinvestor ein.

Besonders das Verfahren bei Einstellung von neuen Mitarbeitern scheint einzigartig. So erhalten alle potenziellen neuen Mitarbeiter während der Einarbeitungszeit mehrmals das Angebot gegen Bargeld auszusteigen. Vor dem finalen Unterschreiben des Anstellungsvertrags sind es stolze 2.000 US Dollar, die geboten werden. Dadurch soll sichergestellt werden, dass jeder Zappos Mitarbeiter unbedingt bei Zappos arbeiten will.

In dem TV Bericht sind noch einige weitere spannende Details genannt wie z.B. Arbeitszeiten, 365 Tage Rückgaberecht und die Empfehlung von Kunden an Konkurrenten, sollte ein Schuh nur dort erhältlich sein. Sehr empfehlenswert:

In Deutschland gibt es seit einiger Zeit übrigens eine e-Commerce Seite auf Basis von Magento namens Zalando, die versucht die Erfolgsgeschichte von Zappos in den USA hier in Deutschland zu wiederholen. Da stellt sich doch die Frage, ob dort auch etwas aus der Firmenkultur übernommen wurde.