Was ist eigentlich Couch Commerce?

Heute steht Couch Commerce für das online Einkaufen per Tablet (insbesondere iPad) aus einer entspannten Umgebung heraus. Vereinzelt ist auch generell online Einkaufen via mobiler Hardware wie z.B. Smartphones gemeint.

Im Frühling 2011, als ich mich das erste mal um den Begriff Couch Commerce bemüht hatte, schien das Wort noch keine besondere Bedeutung zu haben. Meine Herleitung zu dem Begriff kam über CouchDB, einem interessanten Datenbankmanagementsystem, welches scheinbar noch nicht im e-commerce eingesetzt wurde. Da mir der Name sehr gut gefiel entschied ich mich die Domains couchcommerce.com und .org für ein potentiell späteres Projekt zu kaufen.

Jetzt, nur ein halbes Jahr später, finden sich bereits hunderte Artikel und einige Studien rund um den Begriff online und es scheint sich zu einem Buzzword zu entwickeln. Die frühste Erklärung des Begriffes, die ich finden konnte, kam tatsächlich von dem ConventionCamp 2010 in Hannover. Im September 2011 verkündet eBay dann, dass es sich auf den Ansturm von Käufern mit Tablets vorbereitet und dieses Jahr erstmals auch Händler einen merkbaren Prozentsatz an Besuchern dieser Kategorie vorfinden werden. Basierend auf einer Ipsos Studie berichtete Paypal dann ebenfalls über den Impact von Couch Commerce in diesem Weihnachtsgeschäft.

Als dann die tatsächlichen Zahlen der größten online Händler rund um den Black Friday 2011 veröffentlicht wurden, bestätigten diese die vorherigen Vermutungen. Die Anzahl der Besucher mit Tablets bzw. dem iPad explodierte an Feiertagen, da die Besitzer vermehrt zu dieser Art des Browsens griffen um die Online-Shops zu besuchen. Techcrunch hat daraufhin eine Studie von Compuware aufgegriffen, die untersucht hat, wie weit der Grad der Optimierung von Online-Shops für Tablets vorangeschritten ist. Es zeigte sich, dass zwar einige Apps bereitgestellt wurden, jedoch keiner der großen Händler eine Optimierung für den Browser der Tablets / iPad vorgenommen hat. Die großen Marktplätze wie Amazon und eBay können sicher auf eine breite Installationsbasis von Apps zurückgreifen, aber wer hat schon für jeden Online-Shop den man besucht eine App installiert oder ist bereit dies zu tun? Wie soll so ein Preisvergleich oder spontanes Auffinden von neuen Produkten funktionieren?

Der Artikel sorgte für eine spannende Diskussion bei der auf der einen Seite argumentiert wird, dass man mit Tablet Browsern die normalen Online-Shops besuchen soll und es für diese keine Optimierung braucht. Auf der anderen Seite, im Bezug auf Nutzbarkeit, Usability und User Experience, wird dafür plädiert, dass man sehr wohl speziell für den Couch Commerce optimieren muss. Interessant in dem Zusammenhang ist der aktuelle iPad usability Report von Nielsen PDF. Dieser zeigt auf 134 Seiten wie optimierte Usability für das iPad auszusehen hat.

Ich denke, dass der Wechsel von der Maus hin zum Finger und somit zur intuitiven Bedienung gerade erst begonnen hat und sicher auch noch Einfluss auf die Art haben wird, wie wir Computer nutzen. Apple hat beispielsweise gerade erst in sein neustes iOS Lion die Logik des „natural scrolling“ aus dem iPad übernommen. Es scheint also eine Art Lernprozess begonnen zu haben, der unsere angelernte PC Bedienung verbessert. Wenn die Prognosen stimmen, so werden Tablets und Smartphones ab 2011 die Verkaufszahlen von Laptops und Desktop PCs überholen. Die Frage, welche Hardware genutzt wird um online einzukaufen, wird dann eine zentrale Rolle für den e-Commerce spielen. Auch ist nicht zu unterschätzen, dass neue Zielgruppen per Tablet erreicht werden, die eher erlebnisgetrieben bzw. durch einen virtuellen Einkaufsbummel inspiriert Produktwelten entdecken (Utilitarian and Experiential Buyers sind hier zu unterscheiden). Das aktuell für Männer optimierte e-Commerce kann da nur selten die Bedürfnisse dieser Zielgruppe bedienen.

Da ich weiß wie groß der Aufwand ist und mit welchen Kosten es verbunden ist als Online-Händler mit der Entwicklung mitzuhalten und für alle bald unter Couch Commerce fallende Endgeräte optimierte Seiten auszuliefern (7-10 Zoll, Android, Apple etc.), bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Lösung für Online-Händler in diesem Bereich Sinn macht. Vor kurzem habe ich daher die Entwicklung des Projektes Couch Commerce mit einem kleinen Team angestoßen. Ziel ist es einen von Shopbetreibern komplett selbständig und möglichst ohne technischen Aufwand einzurichtenden Service zu schaffen, der schnell und einfach das Sortiment „Couch Commerce optimiert“ an Seitenbesucher ausliefert und so zu einem sehr guten und vor allem entspannten Einkaufserlebnis führt. Die Anzahl der Vorregistrierungen für die erste Beta Version, innerhalb der wenigen Tage die unsere Launchrock Seite jetzt online ist, motiviert das Team enorm. Wer Interesse hat sich zu dem Thema auszutauschen oder sich vielleicht sogar mit einzubringen, kann sich gerne bei mir melden. Auch freue ich mich über Meinungen und Einschätzungen.

Meine neue Herausforderung im digitalen Zeitalter: Das Buch erfindet sich neu

Immer dann wenn sich die Art ändert wie Menschen Informationen konsumieren wird es spannend. Das erste Mal passierte das mit der Erfindung des Buchdruckes durch Gutenberg im 15. Jahrhundert, wodurch erstmalig ein Medium geschaffen wurde, um Meinungen und Wissen schnell in der Masse zu verbreiten. Besonders die Kirche stand dieser Bewegung damals kritisch gegenüber, so konnte sie doch unmöglich kontrollieren was verbreitet wurde. Auch sah man einen Menschen, der in kurzer Zeit hunderte von Büchern drucken konnte, um sein geschriebenes zu verbreiten, generell als große Gefahr. Er könnte damit immerhin schlimme Gedanken bei den Lesern fördern und Ansichten verändern. Sehr schwer vorzustellen aus heutiger Sicht!

Über diese anfänglichen Startschwierigkeiten ist man jedoch hinweggekommen und während der Industrialisierung wurde die Verbreitung des gedruckten Wortes perfektioniert und es haben sich Strukturen und Unternehmen gebildet, die den Umgang damit gestalten. Man könnte fast meinen es war Ruhe eingekehrt in die Art wie wir Informationen zu uns nehmen und beziehen.

Was dann jedoch in seiner Ausbreitungsgeschwindigkeit alle überraschte war das
digitale Zeitalter und mit ihm das Internet. Entgegen erster Annahmen (IBM CEO Watson 1943: „Ich glaube, dass es auf der Welt einen Bedarf von vielleicht fünf Computern geben wird.“) war der weltweite Bedarf an Computern enorm und schon bald konnten Millionen Menschen via Computer über das Internet publizieren und Inhalte beziehen. Die Digitalisierung brachte die Möglichkeit alles, überall und für jeden, verfügbar zu machen. Neben dem Journalismus war es vor allem die Musikindustrie, die diese disruptive Kraft zuerst zu spüren bekam.

Heute sind es Unternehmen wie Google und Amazon, die mit ihren Visionen Vorreiter sind auf dem Gebiet der Digitalisierung und Verbreitung von Inhalten. Google will die Informationen der Welt verwalten und allen zugänglich machen, am liebsten auch jene, die bisher nur in gedruckter Form vorliegen. Amazon hat sich zum Ziel gesetzt innerhalb von 60 Sekunden jedes Buch in digitaler Form direkt an den Leser ausliefern zu können und nimmt dafür, wie auch Apple, alle Komponenten von der Software bis zur Hardware in die eigene Hand.

Hier schließt sich der Kreis und wir sind an einem Punkt, an dem wir die digitale Welt des Internets und das Medium Buch verbinden und die Informationen und Inhalte so einfach wie möglich für so viele Menschen wie möglich zugänglich machen. Die Ebook Revolution hat gerade erst begonnen!

Ich freue mich in diesem spannenden Umfeld ab heute als Leiter Produktmanagement digital bei Libri innerhalb der Maxingvest Gruppe mitzuwirken.

Seedmatch, der Kickstarter für Startups?

Seit heute können sich unter seedmatch.de Privatleute mit mindestens € 250 Wagniskapital an Startups beteiligen. Die Idee ist nicht neu, jedoch gab es ein vergleichbares Konzept für Gründer bisher nicht in Deutschland.

Das Crowdfunding richtig erfolgreich zur Geburt von neuen Projekten beitragen kann, zeigt Kickstarter in den USA seit einiger Zeit und hat schon beeindruckende 10.000 Ideen mit in Summe $ 75 Mio. Sicherheiten gefördert.

Persönlich finde ich die Möglichkeit gut auch als Privatinvestor die Chance zu haben bei dem Wachstum eines Startups mitzufiebern und im Erfolgsfall zu partizipieren. Eine solche Möglichkeit der Investition nah an einer Idee, alternativ zur schwer greifbaren Aktie, gab es bisher nicht.

Damit Seedmatch erfolgreich wird ist es wichtig, dass die Startups innerhalb der 60 Tage auch genug Investoren finden und das Angebot für Investments attraktiv ist. Zum Start heute sind leider nur zwei Projekte im Angebot, die mich nicht besonders reizen.

Calipso – das erste Open Source CMS auf Basis von Node.js und MongoDB

Bei meiner Suche nach Shopsystemen oder Frameworks im e-Commerce auf Basis von JavaScript und NoSQL anstelle von PHP und MySQL habe ich ein erstes CMS gefunden. Calipso heißt das noch junge Projekt, dass als Open Source veröffentlicht wurde und auf Node.js, sowie MongoDB basiert.

Soweit ich es sehen kann arbeitet momentan nur der Gründer Clifton an dem Projekt und ist natürlich auf der Suche nach weiteren Entwicklern, die Interesse haben sich zu beteiligen. Als Node.js Framework wird Express und für MongoDB das object modeling Tool Mongoose eingesetzt.

Auch wenn wir uns sicher noch ganz am Anfang der Entwicklung von Webanwendungen auf Basis neuer Technologien befinden, bekomme ich das Gefühl, dass Node.js und MongoDB das Rennen machen werden.

Laut RedWriteWeb ist Calipso neben Wheat, einem Blog System, das erste CMS, welches vollkommen auf Node.js und eine NoSQL Datenbank im Hintergrund setzt. Da die Skalierbarkeit und Performance bei dieser Architektur besonders gut ist, sollten besonders stark besuchte Seiten die Entwicklung von Calipso verfolgen. Hoffentlich wächst hier eines der ersten CMS einer neuen Web-Generation heran!

Google Shopping Qualitätsoffensive startet im September

Google hat gestern angekündigt, dass sie ab dem 22. September die Anforderungen an Produktfeeds deutlich erhöhen werden. Die Aktion dient der Verbesserung der Produktsuche und der Qualität der Ergebnisse.

Auf der Next11 durfte ich Gero Graf (verantwortlich für commerce bei Google in EU) kennenlernen, der in dem von mir moderierten commerce Track gesprochen hat. In seinem Vortrag gab er einen Einblick in die Ziele von Google und betonte, dass besonders „Inventory in the Cloud“ ein großes Ziel sei. Damit soll es ermöglicht werden die Verfügbarkeit von Produkten in der Nähe von potentiellen Kunden via Google anzuzeigen. Also hoch relevante Informationen bereitstellen zu können. eBay hat ebenfalls Maßnahmen in Gang gesetzt, um diesem Ziel näher zu kommen.

Im September wird Google für die ehemals Base genannte Produktschnittstelle, die sie jetzt unter dem Namen Google Merchant Center geführt wird, die neuen strikten Richtlinien ausrollen. Dazu gehören:

  • Verfügbarkeitsangabe ist Pflicht
  • Einordnung in Google Product Category ist Pflicht
  • Mindestens ein Produktbild ist Pflicht und bis zu 10 möglich
  • Im Fall von Kleidung sind Farbe, Größe, sowie Geschlecht und Altersgruppe Pflicht
  • Unter dem Oberpunkt „Data Freshness“ verbirgt sich eine Überprüfung der Richtigkeit und Aktualität der übermittelten Daten
Da ich selber auch viel mit diesen Produktfeeds zu tun habe, weiß ich, dass es vielen Anbietern in Amerika, England, Deutschland, Japan und Frankreich einige Arbeitsreiche Nächte bereiten wird den Standards nachzukommen. Im Ergebnis wird Googles Shopping Suche jedoch sicher an Qualität zunehmen und vielleicht einen weiteren Schritt in Richtung eines standardisierten Formates zum Austausch von Produktdaten zwischen Shops und Shopsystemen gehen. Eventuell sollten die Shopsysteme beim Thema Vernetzung einfach auf diesem Standard aufbauen und neben dem Export auch den Import von Drittprodukten unterstützen.